Hahl Gitano De Luxe „O“ Schalloch

l_66_klKonstruktionsmerkmale :

  • Original Selmer-Form mit ovalem Schalloch
  • 60 Jahre abgelagerte Fichtendecke
  • 60 Jahre abgelagerter Riegelahorn für Decke und Boden
  • Dreiteiliger Hals aus Ahorn mit Mittellage aus Nussbaum
  • Erstklassiges Griffbrett mit runden Griffbretteinlagen aus Perlmutt
  • Schallocheinlage und Randeinlagen aus schwarzen und weißen Holzspänen
  • Korpusbindings aus massivem Riegelahorn
  • Mensur: 670 mm
  • Halsshaping: sehr angenehme runde „D“ Form
  • Ebenholzsteg mit zweiteiliger Kompensationsstegeinlage aus Knochen
  • Knochensattel
  • Vergoldete Mechanik mit Ebenholz Knöpfen
  • Finish: dünn aufgetragener Nitrocellulose-Lack

 

Meine Hahl „Gitano De Luxe“, O-Schalloch und ich:

l_43_klVor einiger Zeit habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, einen Testbericht zu schreiben, wie sie in der (sehr empfehlenswerten!) Fachzeitschrift „Akustik Gitarre“ zu finden sind. Dabei handelte es sich nicht um irgendeine Gitarre, sondern um meine eigene!

Als Spaß habe ich diesen Artikel Andreas Schulz (Chefredakteur dieser Gitarrenzeitung) zugeschickt. Als Antwort hat er mir damals geschrieben, dass er ihn ganz gut fand, aber dass die notwendige journalistische Distanz zum Testobjekt fehlte. Er fügte hinzu, dass Stefan Hahl sich über einen solchen Artikel sicher freuen würde! Ich muss ihm in allen Punkten Recht geben!

Trotzdem habe ich meine ehrliche Meinung über diese einzigartige Gitarre geliefert, und es hat Spaß gemacht!!!

Hier der Text…

 

„Django Reinhardt, der weltberühmte Swing-König, ist heute eine Legende. Der 1953 verstorbene Gitarrist prägte die Musik seiner Zeit mit genialer Kreativität und Technik. Seine in Paris gebaute Selmer Gitarre war und ist heute noch ein Symbol für den Swing Manouche.

Für den Sinti Swing Spieler von heute ist eine solche Gitarre ein absolutes Muss. Fündig wird er bei einigen Gitarrenbauern, die sich dem Nachbau dieser Gitarrengattung widmen.

Stefan Hahl, Gitarrenbaumeister aus Mudershausen im schönen Taunus, hat sich neben der Fertigung hochwertiger Archtop-, Steelstrings- und Konzertgitarren auf den Nachbau von Selmer und Maccaferri Gitarren spezialisiert. Er gilt heute national und international als einer der führenden Spezialisten dieser Bauform.

Biréli Lagrène, einer der besten Gitarristen unserer Zeit und unumstrittener erster Erbe Djangos, spielt seit einigen Jahren ausschließlich seine Instrumente.

Wir nehmen heute sein Modell „Gitano De Luxe“ O-Loch unter die Lupe.

Im Laufe seiner nun 20jährigen Karriere als selbstständiger Gitarrenbauer konnte Stefan Hahl mehrere original Selmer Gitarren restaurieren. Gelegenheit für ihn sie intensiv zu messen und zu studieren. Somit war er in der Lage alle Geheimnisse für den Bau dieses Gitarrentyps zu entdecken. Aber seine Arbeit besteht nicht nur darin, Kopien herzustellen. Er entwickelt diese Gitarrengattung ständig weiter…

Konstruktion

l_34_klKaum ausgepackt, spricht die Gitarre das Herz eines Django Liebhabers gewaltig an! Alles ist da. Zuerst das extrem niedrige Gewicht verspricht Reaktivität und Dynamik. Dann das gesamte Erscheinungsbild: Der Django Spieler ist eher ein Traditionalist und legt großen Wert auf eine authentische Gitarre. Hier wird er glücklich.

Alle Merkmale dieser Bauform sind da: wie die typische Korpusform, der vertikale Cutaway, der dünne Steg mit seinen „Moustaches“, die an der Decke festgeklebt sind und es ermöglichen beim Saitenwechsel immer die richtige Stegposition wieder zu finden. Weitere typische Merkmale sind die durchbrochene Kopfplatte mit seinem schlanken Profil, das kleine ovale Schalloch („petite bouche“ sagen die Franzosen, also kleiner Mund), die durchgehende Saitenführung und der Messing Saitenhalter mit Ebenholzplättchen.

Das originelle Design ist also absolut treu umgesetzt. Was aber bei dieser Gitarre direkt auffällt, sind die Holzauswahl und die ausgezeichnete Qualität der Verarbeitung.

Die Decke besteht aus bester sechzig Jahre Werkstatt abgelagerter Alpenfichte. Ihre engen Maserungen verlaufen absolut regelmäßig. Für den Korpus wurde ein nahezu fantastischer Riegelahorn verwendet. Je nach Blickwinkel erzeugt dieses Holz einen beeindruckenden dreidimensionalen Effekt. Diese Wirkung wird von der absolut tadellos aufgetragenen amberfarbigen Nitrolackierung noch verstärkt.

Der dreiteilige Hals besteht aus Ahorn. Der ist in seiner gesamten Länge mit einer Nussbaum Mittellage versehen. Zwei feine Holzfurnierstreifen vollenden diskret aber geschmackvoll das Erscheinungsbild. Sehr edel!

Die durchbrochene Kopfplatte ist mit wunderschönem Riopalisander furniert und mit einem filigranen Perlmutt Schriftzug versehen. Ein ebenso aus Riopalisander (!!!) bestehendes dreieckiges Plättchen versteckt den Zugang zum Stahlstab.

Die vergoldeten Schaller Mechaniken mit Ebenholzflügeln leisten perfekte Dienste und fügen sich dem gesamten Design optimal zu.

Für das Griffbrett benutzte Stefan Hahl ein tiefschwarzes und sehr dichtes Ebenholz. Für die obligatorischen Punkte verwendete er Mutterkernabalone. Die 22 Medium Bundstäbchen sind perfekt abgerichtet und poliert. Schon freut man sich auf die ersten Griffe!

Die mehrlagigen Korpusbindings aus Riegelahorn und Palisander sind sorgfältig und wahrlich makellos ausgeführt. Der Ahorn wurde dabei hell belassen. Der dadurch entstandene Kontrast wirkt sehr nobel und unterstreicht bestens die ohnehin schon eleganten Konturen dieser Gitarre.

Die Schallocheinfassung ist ebenso akribisch realisiert. Egal wohin man blickt, und dies gilt für das gesamte Instrument, alles ist extrem präzis verarbeitet.

Eine Neuerung im Bau von Selmer Style Gitarren ist die Knocheneinlage, die man in dem auffällig dünnen Ebenholzsteg findet. Nach Meister Hahl sollte sie die Intonation verbessern. Dazu später. Diese Innovation bietet aber einen weiteren Vorteil: Sie ermöglicht eine sehr einfache und schnelle Veränderung der Saitenlage und vermeidet dabei eine irreversible Modifikation des Steges. Denkbar wäre sich von Stefan Hahl einen Satz Knocheneinlagen anfertigen zu lassen, um verschiedene Saitenlagen zu erhalten!

Ein Blick in das Innere der Gitarre bestätigt meinen schon außergewöhnlich guten Eindruck: Die Schleifarbeiten sind extrem sauber ausgeführt worden und ich finde keinerlei Klebstoffreste oder Unregelmäßigkeiten.

Innen wie Außen, das Instrument ist perfekt!

Nun ist es an der Zeit die Schöne zum Leben zu erwecken…

Handhabung und Klang

l_37_klIch nehme die Gitarre. Sie liegt gut ausbalanciert auf dem Schoß. Von Kopflastigkeit keine Spur. Der Hals mit seinem abgeflachten D Profil ist eine optimale Mischung aus Substanz und Bequemlichkeit. Die Saitenlage ist eine Einladung zu kristallklaren Ausflügen in Djangos Repertoire.

Schon nach ein Paar Griffen ist es klar: ich habe hier mit einer besonderen Dame zu tun! Die ersten Harmonien schießen regelrecht aus dem Schalloch heraus. Die Dynamik, die diese Gitarre atmet, ist verblüffend und die erzeugte Lautstärke ist enorm. Beim nächsten Gig mit dieser Gitarre sollten Sie also keine Sorgen haben. Sie werden garantiert gehört werden! Die typische Rhythmusbegleitung erfolgt mühelos und ich fühle mich sofort zu Hause. Der Klang bietet alles, wovon ein Django Liebhaber träumt. Die Griffe erklingen glockenrein. Die Einzelnoten kommen kräftig und akzentuiert. Die Bassfrequenzen ertönen samtig, präzis und klar konturiert. Sie mischen sich geschmeidig in das gesamte Harmoniegefüge ein ohne dabei zu dominieren. Die Mittenfrequenzen sind leicht angehoben und bieten eine der wichtigsten klanglichen Merkmale einer Django Gitarre, nämlich eine gewisse Portion Frechheit. Sie verleihen dem Klang eine unbestreitbare Persönlichkeit. Die Hochfrequenzen sind transparent und nuanciert. Die Gitarre verfügt auch über ein beachtliches Obertonspektrum und reagiert blitzschnell auf den Anschlag der rechten Hand. Der Ton im Rhythmusspiel ist, bestimmt durch den verwendeten Ahorn, als perkussiv, dynamisch, tragfähig und vor Allem als absolut originalgetreu zu beschreiben. Filigranes Spielen liegt ihr ebenso hervorragend. Sie bietet dem Spieler eine sehr breite Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, die nur ausgeschöpft werden wollen.

Die Gitarre verfügt auch über eine außergewöhnliche Schwingungsfreude. Während des Spielens kann ich ihre Schwingungen in meinem Bauch eindeutig spüren. Und nach einigen Minuten intensiven Spielens öffnet sich ihr Klang weiter, so als würde sie leben!

Im Melodiespiel demonstriert die Gitano De Luxe weitere Stärken: ihre Intonation ist als hervorragend einzustufen. Die Melodielinien werden sehr dynamisch und spritzig wiedergegeben. In den hohen Lagen verfügen die Noten immer noch über sehr viel Kontur, Substanz, Sustain und Ausdruck. Sie garantiert also Spaß ohne Ende!

Die Mensur von 670 mm könnte die nicht Django-Spezialisten etwas erschrecken. Bei dieser Gitarre stellt sie jedoch gar kein Problem bezüglich der Bespielbarkeit dar.

Fazit

l_29_klEinmal mehr ist es Stefan Hahl gelungen ein fantastisches Instrument zu kreieren,. Diese Gitarre ist wunderschön. Auch ihr Klang erfüllt alle Wünsche eines Django Liebhabers. Die Qualität und die Verarbeitung dieses sehr sinnlichen Instruments zeichnen seinen Schöpfer als Künstler aus.

Diese Gitarre stellt dem Musiker eine beachtliche Klangpalette zur Verfügung. Damit kann sie ihn in seinem Werdegang ein ganzes Leben auf beste Weise begleiten. Und wenn er sie nicht spielt, kann er sie auch noch stundenlang anschauen!

Kein Wunder also, dass ein Gitarrengenie wie Biréli Lagrène Meister Hahl ausgesucht hat …

Der Preis dieser Gitarre erscheint manchen sicherlich hoch. Aber man sollte nicht vergessen, dass sie in absoluter Alleinhandarbeit hergestellt worden ist, und dass die verwendeten Materialien zur Spitzenklasse gehören. Excellenz hat eben ihren Preis!

Chapeau Monsieur Hahl!“

 

Ich will diesen Artikel mit Ergänzungen zum Thema Tonabnahme vervollständigen.

Vor kurzem habe ich ein Mini-Kondensatormikrophon der Marke „Audio Technica“ ergattert (at 391b). Es ist nämlich sehr schwierig ein Tonabnehmersystem im Korpus einer O-Loch-Gitarre einzubringen, und ein „Big Tone“ wollte ich nicht. Nachdem ich dieses Mikro auf einem Video von Biréli Lagrène (Jazz à Vienne) gesehen hatte, habe ich mich entschieden es zu kaufen und ich bereue es nicht!

Ein großer Vorteil liegt darin, dass das Instrument überhaupt keine Modifikation benötigt. Das Mikrofon wird einfach an der Decke mittels einer mitgelieferten Klemme montiert. Man kann es entweder außen oder innen montieren. Und wenn man sich mit der Positionierung etwas Zeit nimmt, erzeugt man ein recht gutes Klangergebnis. Der ursprüngliche Klang der Gitarre wird treu wiedergegeben und die Rückkopplung hält sich überraschend zurück. Eine sehr gute Alternative!

 

 

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