Pressestimmen

Unvergessene Klänge in Homburg

Beim Jazzsommer huldigten die Swingtêtes Altmeister Django Reinhardt

Markenzeichen der Swingtêtes war auch am Samstag auf dem Homburger Marktplatz der Stil von Django Reinhardt. Doch die deutsch-französische Band brachte auch ein bisschen Bossa Nova und französische Chansons mit. Eine Mischung, die beim Publikum richtig gut ankam. Dabei bewies jeder einzelne der Musiker Können und mitreißende Brillanz.

Von SZ-Mitarbeiter Michael Schneider

Homburg. Klänge, wie sie der unvergessene Django Reinhardt spielte, sind beim Jazzsommer nicht sehr oft zu hören. Umso mehr freuten sich die Musikfreunde über die Swingtêtes, die am vergangenen Samstag auf dem historischen Homburger Marktplatz den großen Meister in lebhafte Erinnerung riefen. Die Swingtêtes sind eine musikalische "Jumelage" zwischen Deutschland und Frankreich.

Die Swingtêtes spielten bei "Sweet Georgia Brown" richtig mitreißend, beim "Limehouse Blues" schön gefühlvoll. Die Musiker möchten in ihr Repertoire künftig auch eine schöne Portion Bossa Nova einbauen. Erster Vorgeschmack war in Homburg "Summertime". Der Titel von George Gershwin gehört zum Programm vieler Bands. Mit einem Hauch Bossa Nova war er in Homburg bisher aber nicht zu bewundern. Das machte Lust auf mehr.

Markenzeichen der Swingtêtes blieb aber auch beim Jazzsommer der Stil von Django Reinhardt. Bertrand Le Guillou war an der Gitarre ein echter Wirbelwind, dem der Stil des guten Django sichtlich Vergnügen macht. Nicht minder furios war Uli Bund an der zweiten Gitarre. Es war ein echter Genuss, den beiden zuzuhören, wenn sie etwa den Klassiker "All of me" zelebrierten. "J'attendrai" ist ein klingendes Denkmal für Django Reinhardt, und die Swingtêtes brachten es mit auf den Marktplatz.

In einer Band ohne Schlagzeug muss der Bass allein für den richtigen Rhythmus sorgen. Das gelang Jörg Jenner bravourös. Nicht genug damit, er trug wie jeder Musiker der Swingtêtes mit feinen Soli zum brillanten Eindruck und zur Klangfülle der kleinen, aber feinen Band bei. Aber da war noch etwas. Zum Repertoire der Swingtêtes gehören schöne Chansons aus Frankreich - etwa "C'est si bon". Und es wies Bertrand Le Guillou als ausgezeichneten Interpreten aus.

Er und seine Kameraden lieben Chansons von Charles Trénet, Yves Montand , Henri Salvador oder Michel Legrand. Das war dem Sänger etwa bei "Les moulins de mon coeur" anzumerken. Das hätte den großen Michel Legrand sehr gefreut. Nicht anders war das bei "Du soleil plein la tête". Man hat beim Jazzsommer bisher eher selten etwas von Yves Montand gehört. Dass diesmal etwas dabei war, machte den Chanson-Freunden richtig Freude. Wiederholung ist erwünscht, wie aus dem Publikum zu hören war.


Explosiver Sound fesselt // Rheinpfalz, 28.07.09,

von Walter Falk

Publikum will „Swingtêtes“ nicht mehr von der Bühne beim Burg-Jazz-Festival in Landstuhl lassen

Keine Spur von Müdigkeit war nach drei Tagen voller Musik am Sonntagnachmittag beim Burg-Jazz-Festival festzustellen. Rund 350 Zuhörer genossen endlich die warmen Sonnenstrahlen, die entspannte Musik von vier ganz unterschiedlichen Bands und das Flair der Burg Nanstein, auf der schon Reichsritter Franz von Sickingen vor rund 475 Jahren den Bauch in die Sonne streckte.

Vor allem die deutsch-französische Formation „Swingtêtes“ wollten die Besucher nicht mehr von der Bühne lassen. Die Musiker haben nicht nur den Swing im Kopf, wie der Name suggeriert, sondern auch in den Fingern und Füßen. Mit größter Leidenschaft widmeten sie sich vor allem der unvergesslichen Musik von Django Reinhardt, sodass sich der Zuhörer fühlte wie in dem sagenumwobenen Pariser „Hot Club de France“. Swingtêtes schuf lebendige Musik mit einem ganz eigenen Charme. Das klang wie ein lebender Organismus. Dabei repräsentierten sie ein weites dynamisches Spektrum und erforschten viele Emotionen. Der Zuhörer konnte sich fallen lassen in hypnotische Rhythmen, in denen Zigeunermusik, französische Folklore und Swing-Jazz unwiderstehlich miteinander verschmolzen. So hörte man in die verschiedenen Schattierungen des Kontrabasses von Jörg Jenner (Saarbrücken).

Für mitreißende Rhythmen sorgten die beiden Gitarristen Uli Bund (Saarbrücken) und Bertrand Le Guillou, ein in Bad Dürkheim lebender Pariser. Sie faszinierten immer wieder mit ihrem farbenfrohen Stil, in den moderner Jazz eingeflossen ist.

Da waren besonders die virtuose Vibrato-Technik, das spannungsvolle „Bending“ von Saiten, um „Dirty Tones“ zu erzeugen, die auffielen. Auch die kaskadenhaften Arpeggios, die Synkopierung, die blitzartigen Upstroke-Akzentuierungen und vor allem die typischen Oktavierungen, nutzten sie zur Ausdruckssteigerung.

Die Gitarristen waren in der Lage, durch die Harmoniewechsel hindurch zu schwingen, um die Töne regelrecht explodieren zu lassen. Es gab bei typischen Django-Reinhardt-Titeln wie „Coquette“, „Troublant Bolero“, „Douce Ambiance“ oder dem „Minor Swing“ immer wieder begeisterten Szenenapplaus.

Geschmackvoll mischten sie diesen mit französischen Chansons, wobei die wohlklingende Stimme von Bertrand Le Guillou zum Tragen kam. Er hat wohl das Schmiermittel für sein eigenes Ding entdeckt und muss nicht die bekannten Vorbilder wie Yves Montand oder Charles Trénet kopieren. So wirkten die Chansons „J’attendrai“ (Oliver), „Que reste-t-il-de nos amours“ (Trénet) ... oder „Chante“ (Michel Fugain) wie das Medikament, das die Wahrnehmungsebenen verwischt, ohne in eine Sackgasse zu führen.

 

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